Schaubild: Ein Encoder sendet nummerierte Pakete per SRT an OBS. Paket 3 geht verloren, der Empfänger fordert es erneut an und der Sender wiederholt es. Darunter ein Balken für das Latenzfenster, in dem die Wiederholung ankommen darf.

Inhalt dieser Seite

1. Was ist SRT?

SRT steht für Secure Reliable Transport. Das Protokoll ist für Live-Video über Netze gedacht, bei denen Verzögerung, Jitter oder Paketverlust auftreten können. Statt verlorene Pakete einfach zu akzeptieren, kann SRT innerhalb des gewählten Latenzfensters Wiederholungen anfordern.

SRT auf einen Blick
MerkmalKurz erklärt
NameSecure Reliable Transport
ZweckLive-Video in Netzen mit Verzögerung, Jitter oder Paketverlust
Verlorene Paketekönnen im gewählten Latenzfenster noch mal angefordert werden
Netzwegeein Weg; für mehrere Wege gibt es SRTLA
KernfunktionenVerschlüsselung und Paketwiederholung, so steht es in der SRT-Projektdokumentation

Diese Seite behandelt bewusst den Transport über einen einzelnen Netzwerkweg: vom Encoder zu einem erreichbaren SRT-Empfänger und weiter zu OBS. Das ist nicht dasselbe wie Bonding. Wenn dein Stream beim Ausfall einer Leitung über eine zweite weiterlaufen soll, lies anschließend die SRTLA-&-Bonding-Anleitung.

Technische Grundlage: Die offizielle SRT-Projektdokumentation beschreibt Verschlüsselung und Paketwiederholung als Kernfunktionen. Ob ein verlorenes Paket noch rechtzeitig ankommt, hängt vom Netz und vom eingestellten Latenzfenster ab.

2. RTT und Latenz bei SRT verstehen

RTT steht für Round Trip Time und beschreibt die Zeit, die ein Datenpaket vom Sender zum Empfänger und eine Antwort zurück benötigt. Der Wert wird üblicherweise in Millisekunden angegeben. RTT ist damit eine Hin-und-zurück-Messung und nicht automatisch identisch mit der sichtbaren Verzögerung des Livestreams.

RTT im mobilen SRT-Stream
RTTEinordnungPraktische Folge
niedrig und stabilAntworten kommen schnell und gleichmäßig zurückkleineres Latenzfenster kann möglich sein
hoch, aber stabilgroße Entfernung oder langsamer Netzwerkwegmehr Puffer einplanen
stark schwankendJitter, Funkzellenwechsel oder überlasteter WegReserve erhöhen und Verbindung untersuchen
zusammen mit Paketverlust hochkritischer ÜbertragungswegBitrate senken oder anderen Netzweg verwenden

Eine einzelne hohe RTT-Messung bedeutet nicht automatisch einen Abbruch. Kritisch wird es, wenn RTT, Jitter und Paketverlust dauerhaft steigen und das eingestellte SRT-Latenzfenster nicht mehr genügend Zeit für erneute Übertragungen bietet.

Keine starre Idealzahl: Strecke, Mobilfunknetz, Relay-Standort und SRT-Latenz beeinflussen die Bewertung. Entscheidend ist, ob die RTT über längere Zeit stabil bleibt und der Stream ohne wachsenden Paketverlust ankommt.

Die SRT-Latenz ist dabei ein Puffer für den Netzwerktransport, nicht die gesamte Verzögerung von der Kamera bis zum Zuschauer. Ein zu knappes Fenster lässt verlorenen Paketen wenig Zeit zum Nachkommen; ein größeres Fenster erhöht die Transportverzögerung. Die SRT-Dokumentation zur Latenz erklärt diesen Unterschied im Detail.

3. Wann reicht SRT, wann brauchst du SRTLA?

SRT ist der passende Ausgangspunkt, wenn ein einzelner Netzweg genügend Upload-Reserve bietet und du einen stabilen Transport zu OBS oder einem Relay brauchst. SRTLA ergänzt diesen SRT-basierten Weg um mehrere gleichzeitig nutzbare Verbindungen und eine kompatible Gegenstelle. Es ist die nächste Stufe, wenn der Stream nicht an einer einzigen Leitung hängen soll.

Hier bleiben wir bei Einrichtung und Diagnose von SRT über einen Weg. Die Netzbündelung erklären wir auf der eigenen Seite, damit beide Anleitungen ihre Aufgaben klar behalten.

4. SRT im IRL-Streaming

Beim mobilen Streaming kann der Encoder den Stream per SRT an einen Relay-Server senden. Von dort geht das Signal beispielsweise an OBS, einen Decoder oder eine weitere Streaming-Infrastruktur.

SRT im praktischen Einsatz
BereichPraxis
LatenzEin größerer Puffer bietet mehr Zeit für Wiederholungen, erhöht aber die Ende-zu-Ende-Verzögerung.
PaketverlustSRT kann verlorene Pakete innerhalb des verfügbaren Zeitfensters erneut übertragen lassen.
NetzwerkBesonders interessant für Mobilfunk, WLAN, Internet-Uplinks und Remote-Produktion.

Für einen ersten Test reicht ein kompatibler Sender und eine erreichbare SRT-Gegenstelle. Ein zweites Modem ist dafür nicht nötig. Wichtig sind vor allem ein stabiler Upload, die passende Bitrate und zueinander passende Publish- und Play-IDs mit demselben persönlichen Schlüssel.

5. Eine SRT-Verbindung in der Praxis testen

Ein grüner Verbindungsstatus allein beweist noch nicht, dass dein Bild unterwegs stabil bleibt. Prüfe den kompletten Weg mit genau dem Netzwerk, der Bitrate und dem Empfänger, die du später verwenden willst:

  1. Netzweg prüfen: Upload und Schwankungen am geplanten Standort ansehen; zur gewählten Videobitrate muss Reserve bleiben.
  2. Sender und Empfänger verbinden: SRT-Ziel, UDP-Port und Stream-ID passend zum Server eintragen; die Beispieladressen stehen weiter unten.
  3. Bild in OBS kontrollieren: Nicht nur auf „verbunden“ achten, sondern auf flüssiges Bild und sauberen Ton über mehrere Minuten.
  4. Messwerte beobachten: RTT, Paketverlust und Wiederholungen gemeinsam beurteilen. Ein einzelner kurzer Ausschlag ist weniger aussagekräftig als ein dauerhaft schlechter Verlauf.
  5. Unterwegs nachtesten: Bei schwankendem Netz zuerst Upload-Bitrate und Latenzfenster prüfen. Fällt der einzige Weg vollständig aus, kann SRT ihn nicht durch einen zweiten ersetzen.

6. Eigenen SRT-Server automatisch einrichten

Der glowf1sh SRTLA-Receiver ist nicht nur für gebündelte SRTLA-Verbindungen geeignet. Der Docker-Container enthält auch einen normalen SRT-Live-Server. Dadurch kannst du einen Stream über eine einzelne Internetverbindung per SRT zum Server senden und anschließend in OBS wieder abrufen.

Ein Installer für deinen SRT-Server: Der getestete automatische Installer richtet auf einem passenden Debian- oder Ubuntu-Server den Receiver ein. Obwohl der Container auch SRTLA beherrscht, kannst du ihn hier ausschließlich als SRT-Server für einen einzelnen Netzweg nutzen. Nach der Installation führst du die Statusprüfung aus und verbindest Sender und OBS wie unten gezeigt.

Kosten und Lizenz: Für privaten, nichtkommerziellen Eigengebrauch fällt laut Anbieterangaben zum CC-BY-NC-Image keine Lizenzgebühr für den Container an. Ein eigener SRT-Server ist deshalb nicht insgesamt kostenlos: Virtueller Server oder Hardware, Strom, Internet und Wartung kosten weiterhin Geld. Einen bezahlten Hosting- oder Vermietdienst darfst du mit diesem Image nicht ohne zusätzliche Erlaubnis anbieten.

SRT-Adressen für Sender und OBS
VerwendungAdresse und Stream-ID
SRT zum Server sendensrt://DEINE-SERVER-IP:8282
publish/live/DEIN_LANGER_KEY
SRT in OBS empfangensrt://DEINE-SERVER-IP:8282?streamid=play/live/DEIN_LANGER_KEY
Status kontrollierenhttp://DEINE-SERVER-IP:8181/stats
Ein Container für beide Wege: Für normales SRT verwendest du UDP-Port 8282. Wenn du später mehrere LTE-, 5G- oder WLAN-Verbindungen bündeln möchtest, steht zusätzlich der SRTLA-Eingang zur Verfügung.

Der Installer übernimmt die Server-Einrichtung; die persönlichen Stream-Daten trägst du anschließend im Sender und in OBS ein. Die Anleitung zeigt auch Portfreigaben und die Kontrolle nach dem Neustart.

7. Häufige SRT-Probleme zuerst eingrenzen

Symptom und erster sinnvoller Check
SymptomZuerst prüfen
Kein Bild in OBSServer erreichbar? UDP-Port, SRT-Adresse und play/live/...-Stream-ID korrekt?
Bild stockt oder zeigt FehlerSteigen Paketverlust oder RTT? Reicht der Upload mit Reserve für die eingestellte Bitrate?
Bild kommt, aber deutlich zu spätSRT-Latenz, zusätzliche Puffer und die übrige Verarbeitungskette getrennt prüfen.
Stream bricht bei Netzausfall abEin einzelner SRT-Weg hat keinen Ersatzpfad; für mehrere Wege SRTLA prüfen.

Ändere beim Test immer nur eine Einstellung und beobachte danach den Verlauf. Sonst lässt sich kaum erkennen, ob Bitrate, Puffer oder Netzweg die Ursache war.

8. SRT oder RTMP?

SRT ist besonders interessant für den Transport über problematische Netzwerke. RTMP/RTMPS ist dagegen weiterhin häufig die letzte Strecke von OBS oder einem Encoder zur Streaming-Plattform. Beide Protokolle können daher im selben Workflow unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

9. Häufige Fragen zu SRT

Was bedeutet SRT beim Streaming?

SRT steht für Secure Reliable Transport. Es ist für Live-Video in Netzen gedacht, in denen Verzögerung, Jitter oder Paketverlust auftreten können. Innerhalb des Latenzfensters kann SRT verlorene Pakete noch mal anfordern.

Ersetzt SRT das Bonding mit mehreren Verbindungen?

Nein. SRT läuft über einen einzelnen Netzwerkweg. Fällt der komplett aus, springt kein zweiter Weg ein. Für mehrere Wege gleichzeitig brauchst du SRTLA.

Ist die SRT-Latenz die komplette Verzögerung meines Streams?

Nein. Die SRT-Latenz ist ein Puffer für den Transport im Netz, nicht die ganze Verzögerung von der Kamera bis zum Zuschauer. Ein größeres Fenster gibt Wiederholungen mehr Zeit, verlängert aber die Transportverzögerung.

Welche RTT ist bei SRT gut?

Eine feste Idealzahl gibt es nicht. Schau, ob die RTT über längere Zeit stabil bleibt und ob der Paketverlust dabei ruhig ist. Ein einzelner Ausschlag sagt wenig, ein dauerhaft schlechter Verlauf dafür viel. Mit dem Latenz-Rechner kannst du Werte durchrechnen.

Welchen Port nutzt der SRT-Server aus der Anleitung?

Beim hier beschriebenen Aufbau mit dem glowf1sh-Receiver nutzt normales SRT den UDP-Port 8282. Die Beispieladressen stehen im Abschnitt zum eigenen SRT-Server. Bei einem anderen Server gilt, was der Betreiber vorgibt.

Zuletzt fachlich geprüft: · Aktualisiert: · Herausgegeben von IRL4YOU